Schwer liegt die Finternis - Lucia

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Schwer liegt die Finternis - Lucia

Vielleicht hast du dieser Tage in der Mediathek des schwedischen Fernsehens das alljährlich ausgestrahlte Luciakonzert gesehen, das jedes Jahr von einer anderen Gemeinde in Schweden ausgerichtet wird. Lucia kommt mit ihrem Gefolge und bringt das Licht in die Dunkelheit. Deshalb wird dieses Konzert auch stets am Morgen übertragen, denn dann kannst du wirklich spüren, wie es hell wird.

Falls du das Konzert jetzt noch sehen möchtest, nutze diesen Link, der bis 11. Juni 2023 verfügbar ist.

Das schwedische Luciakonzert vom 13. Dezember 2022

Am 13. Dezember, dem Namenstag der Heiligen Lucia, feiern die Schweden das Luciafest.

 

Wer eigentlich war diese Lucia?

 

Der Überlieferung nach war Lucia eine christliche Jungfrau, die Ende des 3. Jahrhunderts in Syrakus auf Sizilien lebte. Es wird gesagt, dass Lucia, die mit einem heidnischen Jüngling verlobt war, ihre Mutter überredete, ihr die Mitgift bereits vor der Zeit zu übergeben, damit sie sie verwenden könne um Gaben an Bedürftige zu verteilen. Das hat ihrem Verlobten nicht so gefallen und er zeigte Lucia beim Statthalter an.

Sie wurde zum Schlimmsten verurteilt, das einer Jungfrau widerfahren kann, nämlich zum Dienst im Hurenhaus. Als man Lucia nun dahin bringen wollte, konnte sie nicht von der Stelle bewegt werden, auch nicht, als man ein Ochsengespann benutzte um sie wegzuziehen.

Daraufhin errichtete man einen Scheiterhaufen um sie herum, der auch abbrannte, aber Lucia wurde keine Haar dabei gekrümmt.

Da schickte man nach dem Henker, der sein Schwert nahm und sie enthauptete. Das alles geschah im Jahr 304 und Lucia wurde schnell ziemlich populär. Neapel entwickelte sich zu einem Zentrum für ihre Anrufung.

 

Wo kann man die Heilige Lucia heute sehen?

 

Was ist das bloß für eine Frage. Welchen Heiligen hat man je irgendwo gesehen? Nun ja, im Falle der heiligen Lucia sieht das ein bisschen anders aus.

Seit ihrem Märtyrertod im 4. Jahrhundert schlummerte Lucia ungestört in ihren Katakomben, und auch als Sizilien im Jahre 800 von den Arabern erobert wurde, änderte sich daran nicht wesentlich etwas.

Als aber im Jahr 1038 die Byzantiner die Insel zurückerobern wollten, was misslang, so konnten sie dennoch wenigstens einen größeren Teil der Heiligen Lucia nach Konstantinopel überführen, wo Lucia solange in Ruhe blieb, bis die Venezianer den sogenannten vierten Kreuzzug gegen Konstantinopel antraten und Lucia sich dann unter den Kostbarkeiten befand, die die Venezianer heimbrachten.

Kirche San Geremia VenedigFoto: © Michael Schulz


Und in Venedig kannst du die Heilige Lucia nun sehen. In der Kirche San Geremia liegt sie in einem Glassarg, gekleidet in ein rotes Gewand, das Antlitz bedeckt mit einer Silbermaske, die ein Papst in den 1950er Jahren stiftete.

 

Warum trägt Lucia eine Lichterkrone?

 

Lucia verteilte ihre Gaben zu einer Zeit, als Christen verfolgt wurden. Da sie als Christin den Bedürftigen half, musste sie dies also heimlich tun, um nicht dafür bestraft zu werden und war vor allem im Schutze der Nacht unterwegs. Da sie aber beide Hände benötigte, um ihre Gaben verteilen zu können, musste sie sich etwas einfallen lassen, denn für eine Laterne hatte sie keine Hand frei! Und so soll sie also ein Licht auf dem Haupte getragen haben; im Prinzip ist das der Vorläufer der heutigen Stirnlampe ….

 

Mit welchen Attributen wird die Heilige Lucia in der bildenden Kunst dargestellt?

 

In der bildenden Kunst wird die Heilige Lucia oft mit einem Tablett dargestellt, auf dem zwei Augen liegen. Es wird erzählt, dass ein heidnischer Mann sich schwer in Lucia verliebt hatte, weil sie so schöne und strahlende Augen hatte. Lucia reichte dem Mann ihre Augen auf einem Tablett. Daraufhin gab ihr Gott neue und sogar schönere Augen.

In Neapel kann man ein Gebäckstück kaufen, das Lucia-Augen heißt.

Andere Attribute, mit denen die Heilige Lucia oft dargestellt werden, sind Schwert und Palmzweig. Beides steht für das Martyrium der Jungfrau.

Auf anderen Darstellungen sieht man sie mit Buch, einem Kranz aus Rosen oder einer Öllampe. Diese Attribute stehen für die geweihte Jungfrau.

 

Wie kam Lucia nach Schweden?

 

Das ist wohl die am schwersten zu beantwortende Frage, denn es gibt eigentlich keine Antwort darauf.

Bereits im 18. Jahrhundert wird ein luciaähnliches Wesen in den Memoiren eines schonischen Pfarrers erwähnt. Er beschreibt einen weiß gekleideten Engel mit Flügeln und einer Kerze in beiden Händen.

Einige Jahrzehnte später gibt es ähnliche Aufzeichnungen, dieses Mal hat die weiß gekleidete Figur keine Flügel aber einen leuchtenden Heiligenschein.Wahrscheinlich wurde die Idee des Heiligenscheins aus Deutschland übernommen, wo zu jener Zeit ein weiß gekleidetes Mädchen mit Lichterkrone im Haar zu Weihnachten die Geschenke brachte. Dieses, Christkindlein genannte, Mädchen symbolisierte Jesus.

Im 18. Jahrhundert richteten Studenten in Lund und Uppsala Feste aus, in deren Mittelpunkt Lucia stand.

In den 1890er Jahren begann das Freilichtmuseum Skansen in Stockholm mit Luciafeiern, aber erst 1927 trug die Ausrichtung eines Luciazuges und der Wahl einer Lucia durch Svenska Dagbladet zum Durchbruch der entsprechenden Feierlichkeiten bei.

Heute nun gehört Lucia zum vorweihnachtlichen Festbrauchtum.

 

Lucia Mys ShopFoto: © Susanne Riedel
Woher kommt das Lucialied?

 

Gunnar Wennerberg (1817-1901) ein sehr vielseitiger, schwedischer Beamter, Politiker, Poet und Komponist soll eine Melodie, die er in Neapel gehört hatte, mit nach Schweden gebracht haben. Diese Melodie stammt von einem neapolitanischen Fischerlied, dessen Refrain „Santa Lucia“ sich wohl auf die kleine Halbinsel Santa Lucia in der Bucht von Neapel bezieht.

Das bekannteste Lucialied, von dem es mehrere textliche Varianten gibt, wird nun mit dieser Melodie gesungen.

Die beiden bekanntesten Texte des Lucialiedes wurden in den 1920er Jahren gedichtet. 1924 schrieb Sigrid Elmblad den Text „Sankta Lucia, ljusklara hägring“ und 1928 schrieb Arvid Rosén den Text „Natten går tunga fjätt“.

 

Wie feiern die Schweden das Luciafest?

 

Darüber hast du bestimmt schon einiges gehört und natürlich hat jede Familie ihre eigenen Vorstellungen, wie sie das Fest der Heiligen Lucia begehen möchte.
In Schulen, Firmen, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Einrichtungen ist inzwischen der Brauch weit verbreitet einen Luciazug auszurichten. Lucia, weiß gekleidet und mit Lichterkrone auf dem Kopf, zieht mit ihrem Gefolge, ebenfalls weiß gekleidet, singend in die dunklen Räume ein und bringt das Licht.

Zum Fest gehört vor allem ein Hefegebäck, Lussekatter. Dem Teig wird Safran beigemischt, sodass die ausgebackenen Hefebrötchen schön gelb sind. Es gibt verschiedenen Formen, die bekannteste und am schnellsten zu backende, finde ich, sind die Kringel in S-Form, in deren Mittelpunkt je eine Rosine liegt.

Lussekatter Lucia Schweden Mys-Shop
3 Tipps für dein privates Luciafest

 

Hast du Lust selbst ein Luciafest zu feiern? Ganz einfach!

Lade Freunde oder Familie ein.
Backe Lussekatter.
Reiche Glühwein mit Rosinen und Mandeln.

Luciafeier Glögg Mys-Shop



Und wenn du dich nun fragst, woher ich das alles weiß, dann möchte ich hauptsächlich auf das phantastische Buch von Jan-Öjvind Swahn verweisen: Stora Jul boken, erschienen 2005 im Ordalaget bokförlag!
Weitere Informationen habe ich im Nordiska Museet in Stockholm bekommen. Und dann gibt es noch die Dinge, die ich früher schon über Lucia gehört oder gelesen habe.

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