Die Hälsingehöfe - Eine Tapete weckt die Reiselust

Die Hälsingehöfe in der Landschaft Hälsingland in Schweden gehören seit 2012 zum Weltkulturerbe. Wir haben sie gesehen und berichten, warum sie so besonders sind und was sie mit schwedischem Handwerk...

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Die Hälsingehöfe - Eine Tapete weckt die Reiselust

Schon lange bin ich den schönen Tapeten verfallen, die in schwedischen Ferienhäusern, schwedischen Magazinen oder in schwedischen Wohnungen bei Instagram auftauchen. Ob ich nicht vielleicht das Wohnzimmer tapeziere? Oder lieber nur eine Wand in der Küche? Oder doch den ganzen Flur? Vielleicht geht es dir ja auch so?

Damals ahnte ich noch nicht, dass mir die Tapetenliebe eine ganz andere Entdeckung bringen würde. Davon will ich dir hier erzählen.

Wie eine Tapete zum Reisen verführte

Als ich dann nach Tapeten durchs Internet surfte, tauchten auch immer wieder Bilder von reich ausgemalten Hälsingehöfen auf. Was hatte es damit auf sich?  Was haben die Tapeten mit diesen Höfen zu tun? Wo liegen diese Hälsingehöfe überhaupt?

Im Jahr 2006 hielt ich das erste Mal die damals ziemlich neue schwedische Zeitschrift „Gård & Torp“ (das könnte man in etwa mit Haus & Hof übersetzen) in den Händen und las dort mit Begeisterung einen Artikel über die Holzschlösser von Hälsingland - die Hälsingehöfe, auf schwedisch heißen sie hälsingegårdar.

Wo liegen die Hälsingehöfe?

Die Hälsingehöfe liegen in der schwedischen Landschaft Hälsingland einige hundert Kilometer nördlich von Stockholm. Hälsingland grenzt an die Ostsee, zieht sich weit ins Landesinnere und hat im Südwesten eine lange Grenze mit der Landschaft Dalarna - Dalarna kennst du vielleicht (Leksand, Mora und Falun sind weithin bekannte Orte in Dalarna) und so kannst du die Lage von Hälsingland ein bisschen einordnen.

Was haben die Tapeten mit den Hälsingehöfen zu tun?

Doch zurück zum oben genannten Zeitungsartikel. Nachdem ich ihn gelesen hatte, wäre ich am liebsten gleich losgefahren. Schwedische Holzhäuser, mehrere hundert Jahre alt und offenbar ziemlich groß, trafen auf mein Faible für alte Häuser. Und da tauchten auch die Muster wieder auf, die ich von Tapeten kannte. Die Ausmalungen und Schablonenmalereien in den Hälsingehöfen sind also die Vorlagen für einige der Tapeten, die mich so angefixt haben. (Und um genau zu sein, auch Schablonenmalereien aus Dalarna und anderen schwedischen Landschaften werden als Vorlagen für Tapeten verwendet.)



Meine Reise nach Hälsingland sollte sich allerdings noch ein wenig verzögern, denn für den folgenden Sommer war schon eine Radtour in Skåne geplant, den übernächsten Sommer wollten wir endlich einmal mit unseren Stockholmer Freunden auf ihrer Schäreninsel verbringen, und so ging es immerfort.

Inzwischen waren im Jahr 2012 sieben der schönsten Höfe zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden (Über diesen Link kommst du auf die sehr informative Seite zum Weltkulturerbe Hälsingehöfe, du kannst als Sprache auch Englisch einstellen: https://www.regiongavleborg.se/Halsingegardar/). Die Zeit drängte nun also. Es sollte für mich aber immer noch 10 Jahre dauern, bis ich nach Hälsingland kam.

Im Sommer 2022 war es endlich soweit, also fast 15 Jahre, nachdem ich das erste Mal über Hälsingland gelesen hatte, reiste ich endlich nach Hälsingland.

Was ist das besondere am Hälsingland?

Hälsingland ist eine eher dünn besiedelte Landschaft in der Region Norrland.

 

Im Hälsingland gibt es kaum größere Städte; Hudiksvall, der größte Ort von Hälsingland hat ca. 16 Tausend Einwohner).

Viele der Bauernhäuser in Hälsingland sind riesig im Vergleich zu den Häusern auf dem Land in Südschweden, da ist es nur allzu logisch, dass man sie gern Holzschlösser nennt, auch wenn es keine Schlösser im eigentlichen Sinne sind. Diese großen Höfe sind glanzvoll ausgemalt, haben stattliche Veranden bzw. Vorhäuser und bunt bemalte und aufwendig geschnitzte Türen.



In keiner anderen Gegend der Welt schmückten die Bauern ihre Höfe so reich aus, wie es die Hälsingebauern taten. Die Wände wurden marmoriert, mit Schablonen oder Bildern bemalt oder auch tapeziert.

Wie kam es zu den reichen Ausschmückungen der Häuser?

Im Mittelalter konzentrierte sich der Flachsanbau Schwedens in der Region Norrland. Der Kirchenzehnt wurde oft in Leinen bezahlt und ab ungefähr 1300 erhielten die Bauern im Hälsingland das Recht die Steuerabgaben an die Krone in Leinen zu entrichten.

Im 18. Jahrhundert sollte die einheimische Textilindustrie einschließlich der Leinenherstellung von Staats wegen angekurbelt werden. Arbeiter wurden nach Norrland geschickt, um dort die Techniken zu erlernen.

Die wirtschaftliche Lage der Bauern war gut im Hälsingland des 19. Jahrhunderts und so leisteten sie sich den Bau großer Häuser mit vielen und großen Zimmern, die allein für die Ausrichtung von besonderen Festen, nämlich Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen, bestimmt waren. Die Zimmer wurden reich dekoriert und nach den Festen kaum mehr genutzt.



So kommt es, dass heute, ca. 200 Jahre später, ungefähr 1000 solcher großen Höfe samt ihren Bemalungen erhalten sind. Wie oben bereits erwähnt, gehören sieben davon nun zum Weltkulturerbe.

Welche Hälsingehöfe kann man besichtigen?

Zunächst mal eine Liste über die sieben zum Weltkulturerbe gehörenden Höfe. Es sind:

  • Bommars im Dorf Letsbo
  • Bortom Åa auch bekannt unter Gammelgården im Dorf Fågelsjö
  • Erik Anders im Dorf Asta
  • Gästgivars im Dorf Vallsta
  • Jon-Lars im Dorf Långhed in der Gemeinde Alfta
  • Kristofers im Dorf Stene, gleich neben Järvsö
  • Pallars im Dorf Långhed nicht weit vom Hof Jon-Lars

Wir fanden es bei unserer Reise nicht einfach überhaupt erst einmal Informationen zu den Höfen zu finden. Das funktioniert nun ganz gut mit folgender Webseite: https://www.regiongavleborg.se/halsingegardar/kunskap/filmer/besok-varldsarvsgardarna-med-erika-aberg--nya-filmer-visar-nya-sidor-av-varldsarvet/ auf der du einen fantastischen Überblick über die 7 geschützten Höfe bekommst.

3 Tipps für die Besichtigung

Beginne eine Besichtigungsrunde am besten mit dem Hof Ol-Anders, etwas außerhalb von Alfta Richtung Osten. Der Hof beherbergt das Informationszentrum Hälsingehöfe und ist offen für Besucher. Du kannst selbstständig durch die Räume gehen und dir auf Tafeln interessante Informationen erlesen. Informiere dich vorher unbedingt über die Öffnungszeiten: https://www.ovanaker.se/kulturochfritid/upplevovanakerskommun/segora/varldsarvethalsingegardar/besokscentrumhalsingegardolanders.8664.html


Du musst nicht zwingend nur die zum Weltkulturerbe gehörenden Höfe anfahren und sehen wollen. Es gibt zusätzlich viele Höfe, die Cafés, Läden oder B&B beherbergen, wo du genauso die tollen Wandbemalungen und Ausschmückungen der Räume sehen kannst. Vertraue den Hinweisschildern und lass dich gern auch auf abseitige Pfade locken. Es lohnt sich immer.

Halte Ausschau nach kleinen Freilichtmuseen. Dort findest du auch Häuser mit sehr alten Wandbemalungen, die Häuser haben oft auch die für Hälsingland so typischen Vorhäuser und selbst wenn die Museen nicht geöffnet haben, kannst du durch die Fenster in die Räume schauen und auch dein Picknick in der schönen Umgebung genießen.

3 Tipps für Höfe, die nicht zum Weltkulturerbe gehören

Mir persönlich hat der Karlshof (Karlsgården) in Bondarv, östlich der Straße 83 sehr, sehr gut gefallen, obwohl ich Pech hatte und außerhalb der Öffnungszeiten dort hinkam. Vielleicht war das auch ein besonderes Glück, denn so waren wir ganz allein in diesem Vierseithof, konnten auf allen Treppeneingängen sitzen und in den blauen Himmel staunen, waren völlig ungestört, mussten uns allerdings mit Fensterlunschen begnügen.



Das Freilichtmuseum Hembygdsgården Kämpens in Bollnäs bietet viele Aktivitäten an, vor allem kann man aber auch eine schöne Fika (Kaffeetrinken) machen.



Der Hembygdsgård in Edsbyn hat viele schöne Häuser und bunte Vorhäuser zu bieten. Auch hier ist es nicht allzu ärgerlich, wenn die Häuser geschlossen sind. Es ist ein weitläufiges Gelände, in dem man schön verweilen kann.



Weltkulturerbe bei uns im mys

Du fragst dich nun vielleicht, was das für eine Idee ist. Unsere ist es nicht, aber wir finden sie ganz wunderbar, denn wir holen durch sie nicht nur Weltkulturerbe in unseren Laden, sondern auch echtes Design aus Schweden, und können es dir für dein Zuhause anbieten.

Långlyckan Lin druckt nämlich Schablonenmuster und andere Wandmalereien aus den Hälsingehöfen auf Leinengeschirrtücher. Die Namen der Muster lassen manchmal erahnen, aus welchem Hof oder Dorf das Muster kommt. So hast du jederzeit Weltkulturerbe zur Hand, auch wenn du gerade gar nicht verreist! Hier geht es direkt zu den Leinenprodukten, die wir von Långlyckan Lin in unserem Laden haben.

Handwerk und Design aus Schweden - Leinenhandtücher bedruckt mit Mustern, die an die Wandmalereien und Schablonendrucke in den Hälsingehöfen angelehnt sind.


Quellen:
https://www.regiongavleborg.se/halsingegardar 2024-04-04
https://www.lansstyrelsen.se/gavleborg/besoksmal/varldsarvet-halsingegardar.html 2024-04-04
https://www.skatteverket.se/omoss/varverksamhet/skatternasochfolkbokforingenshistoria/desvenskaskatternashistoria.4.22501d9e166a8cb399f1f7d.html 2024-04-04
https://sv.wikipedia.org/wiki/Linne_(textil) 2024-04-04

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